Ein Modellhaus mit Effizienzklassen als Symbol für energetische Sanierung

10 Infos zur energetischen Sanierung: Alles zu Maßnahmen, Förderung und Kosten

In Deutschland wurden 3 von 4 Gebäuden vor 1979 gebaut – und damit vor Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung. Entsprechend schlecht ist es um die Klimabilanz dieser Gebäude bestellt, doch mit zielgerichteten energetischen Sanierungsmaßnahmen kann für Abhilfe gesorgt werden. Als Hauseigentümer tragen Sie so Ihren Teil zum Klimaschutz bei und senken ganz nebenbei Ihre eigenen Energiekosten. Oft haben sich die mitunter hohen Kosten für die energetische Sanierung so in wenigen Jahren wieder amortisiert. Damit Sie Ihre energetische Gebäudesanierung gut durchdacht angehen können, finden Sie hier die wichtigsten Informationen zum Thema.

Info 1: Diese Maßnahmen zählen zur energetischen Sanierung

Es gibt etliche unterschiedliche Maßnahmen, welche die Energieeffizienz Ihrer Immobilie nachhaltig verbessern können. Dazu zählen unter anderem folgende:

  • Fassadendämmung
  • Dachdämmung
  • Kellerdeckendämmung
  • Austausch der Fenster
  • Austausch der Türen
  • Einbau einer effizienteren Heizungsanlage (z. B. Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung gegen eine moderne Wärmepumpe)
  • Einbau einer Photovoltaik-Anlage
  • Einbau einer Solarthermie-Anlage
  • Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Welche Maßnahmen für Ihr Haus sinnvoll sind, hängt immer von der Immobilie an sich ab. So kann eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach natürlich nur dann effizient arbeiten, wenn genügend Sonnenlicht vorhanden ist. Sind in Ihrem Haus etwa bislang nur einfach verglaste Fenster verbaut, dann sollte der Austausch gegen 2-fach oder sogar 3-fach verglaste Fenster direkt für eine enorme Energieersparnis sorgen.

Info 2: Energetische Sanierung reduziert Energiekosten nachhaltig

Bereits seit einigen Jahren steigen die Energiepreise stark an. Zuletzt wurde diese Entwicklung durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine so sehr befeuert, dass sogar von einer Energiekrise und potenziellen Engpässen in der Zukunft die Rede ist. Das Problem: Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und muss etwa 70 Prozent des Energieaufkommens importieren. (Stand: Juni 2022)

Anhand von energetischen Sanierungsmaßnahmen machen Sie sich ein Stück weit weniger abhängig von fossilen Rohstoffen, was Ihre laufenden Energiekosten reduziert. So gehen Experten der Verbraucherzentrale davon aus, dass die Heizkosten durch gezielte Maßnahmen um 5 bis 35 Prozent gesenkt werden können. Hier einige Beispiele:

MaßnahmeErsparnis an Heizkosten
Austausch der Fenster10–20%
Austausch der Heizungsanlage10–35%
Fassadendämmung10–25%
Dachdämmung15–20%
Installation einer Solarthermie-Anlage10–20%
Kellerdeckendämmungetwa 5%

Gut zu wissen

Wenn Sie Ihre Immobilie nicht selbst bewohnen, sondern vermieten, sind Heizkosten und Co für Sie vielleicht zweitrangig. Um jedoch auch Vermieter künftig stärker in die Klimawende einzuspannen, denkt die Bundesregierung aktuell über eine Vermieter-Beteiligung am CO2-Preis nach. Wenn Sie eine Immobilie mit schlechter Energiebilanz vermieten, müssten Sie dann einen höheren Anteil am CO2-Preis zahlen. Zwar ist dieser Plan noch nicht umgesetzt, doch zeigt er gut die generelle Richtung auf, welche die Politik gerade verfolgt. (Stand: Juni 2022)

Info 3: Energetische Sanierung steigert Wert der Immobilie

Wie den meisten bekannt ist, senken energetische Sanierungsmaßnahmen die laufenden Kosten. Was vielen Immobilienbesitzern jedoch nicht unbedingt bewusst ist: Die Maßnahmen steigern gleichzeitig den Wert der Immobilie. Immerhin wirken eine hohe Energieeffizienz und die damit verbundenen niedrigen Betriebskosten attraktiv auf potenzielle Käufer.

Info 4: Verbessertes Wohnklima dank energetischer Sanierung

Die positiven Effekte von verbesserter Dämmung, Wärmeschutzverglasung und sonstigen Maßnahmen werden Sie nicht nur in Ihrem Geldbeutel bemerken. Auch das Wohnklima verbessert sich durch derartige Arbeiten nachhaltig. So sorgt eine gute Fassadendämmung etwa dafür, dass Ihr Haus im Sommer angenehm kühl bleibt. Im Winter hingegen wird die Wärme lange gespeichert, sodass Sie auch bei nur mäßig aufgedrehter Heizung nicht frieren müssen. Gleichzeitig geht die energetische Sanierung oft auch mit einem reduzierten Schimmelrisiko sowie mit verbessertem Schallschutz und sogar optimiertem Brandschutz einher. Insgesamt machen sich die Maßnahmen dadurch auch positiv in Ihrem Alltag bemerkbar.

Info 5: Maßnahmen aufeinander abstimmen mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP)

Vor allem wenn Sie umfangreiche energetische Sanierungsmaßnahmen planen, sollten Sie die Sache überlegt angehen. Zur Veranschaulichung: Der kostspielige Austausch der alten Heizung gegen eine moderne Wärmepumpe wird Ihnen wenig bringen, wenn die Fassade schlecht gedämmt ist und die Fenster undicht sind. Die neu gewonnene Wärme geht so direkt wieder verloren.

Da Laien die Wirksamkeit der Einzelmaßnahmen nur schwer abschätzen können, sollten Sie gerade bei umfangreichen Sanierungsplänen auf einen erfahrenen Experten setzen: Ein Energieeffizienz-Experte wird Ihre Immobilie genau unter die Lupe nehmen und herausfinden, welche Maßnahmen besonders lohnenswert sind und in welcher Reihenfolge vorgegangen werden sollte. Meist gilt die Faustregel, dass die energetische Sanierung von außen nach innen erfolgen sollte.

Das Hinzuziehen eines Experten hat dabei noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Erstellt dieser einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) für Ihr Gebäude und setzen Sie diesen Schritt für Schritt um, dann profitieren Sie von erhöhten Fördermitteln. Der Energieeffizienz-Experte beantragt den Zuschuss dabei direkt über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Der Bonus kann daraufhin bei jedem einzelnen Förderantrag geltend gemacht werden.

Info 6: Energetische Sanierungsmaßnahmen sind nicht gerade günstig

Umweltfreundlich, energieeffizient und wertsteigernd: Energetische Sanierungsmaßnahmen haben zahlreiche Vorteile. Nichtsdestotrotz belassen es viele Immobilienbesitzer oft beim Status quo, denn leider sind die Initialkosten für derartige Maßnahmen hoch. So müssen Sie für den Austausch Ihrer Heizungsanlage mit 7.500 bis 25.000 Euro rechnen.

Durchschnittliche Kosten einzelner energetischer Maßnahmen im Überblick:

SanierungsmaßnahmeDurchschnittliche Kosten
Dachdämmung50–90 € pro qm Dachfläche
FassadendämmungJe nach Methode 100–200 € pro qm Fassadenfläche
Austausch der FensterJe nach Modell etwa 500–1.000 € pro Fenster
Austausch der Heizungsanlage7.500–25.000 €
Photovoltaikanlage1.200–1.800 € pro kWp
Solarthermieanlageca. 5.000 € für Warmwasseraufbereitung und 10.000 € für Warmwasser und Heizung (gerechnet für Einfamilienhaus)

Was Sie allerdings bedenken sollten: Aufgrund der reduzierten Energiekosten amortisieren sich die Kosten für derartige Maßnahmen oft innerhalb von nur 8 bis 15 Jahren.

Info 7: Ohnehinmaßnahmen nutzen und Kosten sparen

Oft können Immobilieneigentümer frei darüber entscheiden, ob sie ihr Gebäude energetisch sanieren wollen oder nicht. Teils sind sie aufgrund offizieller Regelungen jedoch dazu verpflichtet. So muss gemäß Energieeinsparverordnung (EnEv) etwa eine Heizung spätestens nach 30 Jahren ausgetauscht werden, wenn das Gebäude nach Februar 2002 erworben wurde. Die Dachdämmung oder die Dämmung der obersten Geschossdecke muss etwa dann erfolgen, wenn Sie einen Altbau kaufen oder erben, der vor dem 1. Februar 2002 gebaut wurde.

Steht eine derartige Pflichtmaßnahme an, sollten Sie die Gelegenheit beim Schopf packen und sich überlegen, was sonst noch lohnenswert wäre. Experten sprechen hierbei von Ohnehinmaßnahmen, die Eigentümer für sich nutzen können. Müssen Sie etwa Ihr Dach neu decken lassen, weil es undicht ist, so können Sie sich direkt auch um die energetische Dachsanierung kümmern. Da beide Arbeiten in einem Aufwasch erledigt werden, müsste das Gerüst in diesem Fall nur einmal aufgestellt werden, wodurch Sie wiederum Kosten sparen.

Info 8: Energetische Sanierung wird staatlich gefördert

Gebäude verursachen hierzulande etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen. Genau genommen sind sie damit schädlicher als der Verkehrssektor. Um dies zu ändern, verfolgt die Bundesregierung das Ziel „klimaneutraler Gebäudestand“ – ein Ziel, worauf jede einzelne energetische Sanierungsmaßnahme einzahlt. Um derartige Maßnahmen für Immobilieneigentümer attraktiver zu machen und die Kosten etwas abzumildern, gibt es daher zahlreiche Formen der staatlichen Förderung.

Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden zinsgünstige Darlehen und großzügige Zuschüsse vergeben. Diese erhalten Sie sowohl für den Neubau als auch für die energieeffiziente Sanierung eines Altbaus. Hier ein paar Beispiele für KfW-Förderprogramme (Stand: Juni 2022):

  • BAFA BEG EM (Zuschuss): Gefördert werden Einzelmaßnahmen wie etwa die Dämmung der Fassade oder der Austausch der Fenster. Der Zuschuss beläuft sich auf 20 Prozent der förderfähigen Kosten bis 60.000 Euro und beträgt somit maximal 12.000 Euro. In Kombination mit einem individuellen Sanierungsfahrplan erhöht sich Ihr Zuschuss um 5 Prozent. Der Einbau einer effizienteren Heizung auf Basis erneuerbarer Energien wird mit 35 bis 55 Prozent der Kosten gefördert.
  • KfW Kredit 262 (Einzelmaßnahmen): Für einzelne Maßnahmen können Sie bei der KfW im Rahmen des Programms 262 einen Kredit in Höhe von bis zu 60.000 Euro aufnehmen. Auch hier gilt: In Kombination mit einem iSFP erhalten Sie einen Bonus von 5 Prozent. Erfüllt Ihr Haus am Ende die nötigen Energieeffizienzstandards, können Sie zusätzlich von einem Tilgungszuschuss von bis zu 20 Prozent (max. 12.000 Euro) profitieren.
  • KfW Zuschuss 461 (Kauf oder Sanierung zum Energieeffizienzhaus): Wenn Sie ein bestehendes Haus zum Energieeffizienzhaus umbauen, dann erhalten Sie einen Zuschuss in Höhe von 20 bis 50 Prozent der förderfähigen Kosten bis maximal 150.000 Euro.
  • KfW Kredit 261 (Neubau): Wenn Sie ein Haus oder eine Wohnung energieeffizient bauen, können Sie ein Darlehen über bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit über die KfW aufnehmen. Auch ein Tilgungszuschuss von bis zu 50 Prozent steht zur Verfügung. Um sich jedoch für die Förderung zu qualifizieren, muss es sich bei Ihrem Neubau um ein Energieeffizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse handeln.

Was Sie bei KfW- und BEG-Förderung bedenken sollten: Das Förderbudget des Staates ist begrenzt, weshalb es gilt, schnell zuzuschlagen. So gab es das günstige Darlehen für einen Neubau früher unter sehr viel lockereren Bedingungen: Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die Förderung jedoch zunächst eingestellt. Zwar können wieder Anträge gestellt werden, doch nur für die Effizienzhaus-Stufe 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse. Sollten Sie sich unsicher sein, welche Förderung für Sie die beste ist, dann sprechen Sie vorab mit einem Energieberater. Wichtig ist auch, dass Sie sich um die Förderung kümmern, bevor Sie mit den Baumaßnahmen loslegen. Ansonsten verlieren Sie Ihren Anspruch auf die staatliche Finanzspritze.

Info 9: Sanierungskosten von der Steuer absetzen

Als Alternative zur staatlichen Förderung können Sie die Kosten für Ihre Sanierungsmaßnahmen auch von der Steuer absetzen. Eine Kombination aus Förderung und Steuervorteilen ist jedoch nicht möglich, sodass Sie gut durchkalkulieren sollten, welche Option in Ihrem Fall am lukrativsten ist. Die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungskosten ist Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung und kann bei baulichen Maßnahmen genutzt werden, die zwischen dem 31. Dezember 2019 und dem 1. Januar 2030 abgeschlossen werden. Insgesamt können Sie hier 20 Prozent der Gesamtkosten (maximal 40.000 Euro) pro Objekt über 3 Jahre lang abschreiben.

Diese Voraussetzungen gelten:

  • Sie müssen die Immobilie selbst bewohnen.
  • Die Immobilie muss mindestens 10 Jahre alt sein.
  • Die Immobilie muss sich im europäischen Wirtschaftsraum (EWR) befinden.
  • Die Arbeiten müssen von einem Fachbetrieb durchgeführt werden, der abschließend die Einhaltung bestimmter Mindestanforderungen bestätigt.

Info 10: Kredit oder Baufinanzierung für Sanierungsmaßnahmen aufnehmen

Mit jeder Sanierungsmaßnahme sorgen Sie dafür, dass Ihre Immobilie langfristig gut bewohnbar ist und dass der Wert steigt. Das kommt auch Banken zugute, die Immobilien gern als Sicherheit nutzen. Entsprechend müssen Sie die Kosten für Ihre energetische Sanierung nicht alleine stemmen, sondern können bei der Bank einen Kredit aufnehmen.

Für kleinere, eher günstige Maßnahmen eignet sich etwa ein regulärer Ratenkredit. Zwar sind die Zinsen hier etwas höher, doch ist der Kredit einfach und unbürokratisch zu haben. Auch zusätzliche Sicherheiten fordert die Bank hierbei meist nicht. Sollen die Maßnahmen etwas umfangreicher sein, bietet sich ein Modernisierungskredit an. Dieser ist meist bis zu einer Darlehenssumme von etwa 50.000 Euro erhältlich. Alternativ können Sie auch eine klassische Baufinanzierung für Ihre Umbaumaßnahmen aufnehmen oder – wenn verfügbar und zuteilungsreif – das Geld aus einem Bausparvertrag nutzen.

Fazit: Energetische Sanierungen schonen Umwelt und Geldbeutel

Auch wenn die hohen Kosten zunächst abschreckend wirken: Langfristig zahlt sich eine energetische Sanierung in vielerlei Hinsicht aus. Sie senken so Ihren Energiebedarf und damit natürlich auch die laufenden Kosten. Gleichzeitig tragen Sie durch moderne Heizungsanlagen, Photovoltaikanlagen oder eine verbesserte Dämmung auch Ihren Teil zum Klimaschutz bei. Da auch der Staat ein Interesse an energetischer Gebäudesanierung hat, gibt es zahlreiche Fördermittel, die Sie in Anspruch nehmen können. So profitieren Sie sowohl bei Einzelmaßnahmen als auch beim Neubau eines Energieeffizienzhauses.

Bildnachweis: Andrey_Popov / Shutterstock.com

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