Was sind Bereitstellungszinsen und wie lange muss man sie zahlen?

Zwei Männer am Mac

Wer einen Immobilienkredit aufnimmt, dieses Geld jedoch nicht direkt beansprucht, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt auszahlen lässt, muss sogenannte Bereitstellungszinsen zahlen. Wenn das Geld aus einem Darlehen also nicht innerhalb eines vorher vereinbarten bereitstellungsfreien Zeitraums abgerufen wird, dürfen Banken eine Aufwandsentschädigung verlangen. Aber wie lange muss man die Bereitstellungszinsen eigentlich zahlen? Wie hoch sind diese Zinsen? Und hat der Kreditnehmer die Möglichkeit, die Zinsen zu reduzieren oder komplett zu vermeiden?

Nach dem Abschluss einer Baufinanzierung bieten die meisten Banken dem Kreditnehmer die Möglichkeit, sich den vertraglich festgesetzten Betrag entweder direkt oder zu einem späteren Zeitpunkt auszahlen zu lassen. Dabei gewähren die Kreditinstitute häufig einen sogenannten bereitstellungsfreien Zeitraum, der je nach Bank mehrere Monate umfassen kann. Während dieser Zeit muss der Kreditnehmer – neben den monatlichen Tilgungsraten – nur für das bereits erhaltene Geld Zinsen bezahlen. Sobald die bereitstellungsfreie Zeit jedoch abgelaufen ist, kommen zu diesen Sollzinsen noch weitere Kosten auf den Kreditnehmer zu: die Bereitstellungszinsen.

Wie lange muss ich die Bereitstellungszinsen zahlen?

Die Bereitstellungszinsen werden fällig, sobald die bereitstellungsfreie Zeit (in der Regel zwischen drei und zwölf Monate) endet. Ab diesem Zeitpunkt muss der Kreditnehmer dann zusätzlich zu den Sollzinsen und der Tilgungsrate die sogenannten Bereitstellungszinsen an die Bank entrichten. Diese zusätzlichen Kosten bleiben so lange bestehen, bis das gesamte Baudarlehen komplett an den Kreditnehmer ausgezahlt wurde.

Wie hoch sind die Bereitstellungszinsen?

Die Bereitstellungsprovision wird immer auf die Summe fällig, die bislang noch nicht an den Kreditnehmer ausgezahlt wurde. In der Regel berechnen die Banken rund 0,25 Prozent Bereitstellungszinsen pro Monat. Die Höhe dieser Zinsen kann je nach Bank allerdings auch variieren, da sie nicht gesetzlich festgeschrieben ist. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Wenn der gesamte Darlehensbetrag bei 300.000 Euro liegt, davon jedoch schon während der bereitstellungsfreien Zeit 50.000 ausgezahlt wurden, beträgt die Berechnungsgrundlage nach dem Ablauf der Frist noch 250.000 Euro. Bei einem Zinssatz von 0,25 Prozent müsste der Kreditnehmer dann zusätzlich zu den Sollzinsen und der Tilgungsrate noch weitere 625 Euro Bereitstellungszinsen pro Monat bezahlen.

Kann ich die teuren Bereitstellungszinsen umgehen oder zumindest reduzieren?

Da die Bereitstellungszinsen vor allem bei langwierigen Bauplanungen oder unvorhersehbaren Verzögerungen schnell zu einer teuren Angelegenheit werden können, stellt sich die Frage, ob und wie man diese Zinsen reduzieren oder gar komplett umgehen kann. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es in der Tat einige Strategien gibt, mit denen der Kreditnehmer arbeiten kann.

Dazu gehört zum einen eine (zeitlich) geschickte und vorausschauende Planung und Abstimmung mit dem Bauträger oder dem Verkäufer der gewünschten Immobilie. Wenn man zum Beispiel weiß, dass die Bank nach einem haben Jahr Bereitstellungszinsen erheben würde, kann man die Darlehensaufnahme terminlich so legen, dass die bereitstellungsfreie Zeit erst kurz vor der Aufnahme der Bauarbeiten beginnt. 

Zum anderen ermöglichen einige Banken dem Kreditnehmer eine Verlängerung der bereitstellungsfreien Zeit. Hierbei kommt es jedoch häufig auf das Verhandlungsgeschick des Kreditnehmers an. Darüber hinaus kann man sich das Darlehen natürlich auch komplett auszahlen lassen und das vorerst noch nicht benötigte Geld kurzfristig anlegen. Das funktioniert jedoch nicht mit einem rein zweckgebundenen Kredit, der ausschließlich für die Hausbaukosten gedacht ist.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass man am besten von Anfang an vorausschauend plant und das Baudarlehen tatsächlich erst dann aufnimmt, wenn man genau weiß, dass man die bereitstellungsfreie Zeit nicht überschreiten wird.

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